Liebe ist...
Vertrauen...

Lohnt sich das? Gibt es Menschen, denen man noch Vertrauen kann? Warum bin ich nur vom Unglück so verfolgt? Warum kann ich nicht jener einer dieser Glückskinder sein, die fast immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen?


Möglicherweise sind das Gedanken, die jedem von uns schon einmal gekommen sind, besonders dann wenn man von einem Anderen enttäuscht worden ist. In einer solchen Situation ist "Enttäuschtsein" eine ganz normale Reaktion. Nicht wenige Menschen werden nach einem solchen Erlebnis sehr misstrauisch oder entwickeln sogar eine feindselige Haltung gegenüber Anderen.
Dieses Misstrauen wird mich beschützen, schlechte Erfahrungen mache ich keine mehr...





nach dem Motto:
Wenn man nichts erwartet, dann kann man auch nicht enttäuscht werden, vielleicht rechne ich ja gleich mit dem Schlimmsten, so bleibt mir gleich jede Enttäuschung erspart!


Nun das liest sich schlüssig, schließlich setzt jede Enttäuschung eine zu hohe Erwartung voraus.

... einen Moment mal?... ist es das? was ich will? Nun diese Frage kann ich sicherlich nicht für jeden beantworten. Ich für meinen Teil kann sagen, dass es ziemlich genau das ist was ich nicht will.
Vielleicht mag mich dieses Schutzschild vor dem Gröbsten bewahren, aber verhindert es nich im Umkehrschluss, dass ich positive und befriedigende Erfahrungen mit anderen Menschen mache?

Ich erinnere mich an einen lieben Menschen, der mir einmal sagte es gibt etwas schlimmeres als die Lüge, dieses seien meine Überzeugungen. Der Lügner weiß um seine Lüge, der "falsche" Überzeuger weiß nicht um seinen Irrtum!

Als ich lernte misstrauisch zu werden und meine ersten Überzeugungen fand:
Jeder Mensch hat sich in seinem Leben eine bestimmte Grundeinstellung (Konditionierung) hinsichtlich anderer Menschen zugelegt. Diese Grundeinstellung entwickeln wir aufgrund unserer Erfahrungen in der Kindheit. Kleine Kinder haben ein absolutes Vertrauen in die Menschen, bis sie erfahren, dass sie enttäuscht werden können.
Was können solche Situationen sein?

Das Kind brauchte Hilfe und niemand war da.
Die Eltern machten ein Versprechen und konnten es nicht einhalten.
Die Eltern sind sehr jähzornig und schlagen oder beschimpfen das Kind oft grundlos,
sind launisch und ihre Launen lassen sie am Kind aus, überbehüten das Kind und lassen es keine eigenen Erfahrungen machen.
Auch wenn Kinder hilflos einer Situation ausgeliefert werden, wie beispielsweise einem langen Krankenhausaufenthalt oder einer Kinderkur, wenn eines der Elternteile stirbt oder die Eltern sich trennen.
Wenn zu hohe Anforderungen an sie gestellt werden, sodass sie immer wieder erleben, etwas nicht zu schaffen,
Wenn sie immer kritisiert werden.


Was lernen Kinder aus solche Situationen?
Ein geringes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, in andere Menschen oder in das Leben zu entwickeln.
Es gibt zwei Arten von Vertrauen, die beide miteinander zusammenhängen:



1. Vertrauen zu sich und
2. Vertrauen zu anderen Menschen


Wenn ich mir selbst vertraue und an meine Fähigkeit glaube, mit allem, was auf mich zukommt, umgehen zu können. Dann habe ich das (Selbst)Vertrauen, mein Leben zu meistern - was auch immer kommen mag. Mit diesem Vertrauen gehe ich gelassener durch die Welt.


Wenn ich der Überzeugung bin, ich kann - komme was wolle - damit fertig werden, dann brauche ich keine Angst zu haben, anderen zu vertrauen. Dann kann ich Anderen Gutes zutrauen. Wenn ich jedoch glaube, anderen (psychisch) nicht gewachsen zu sein, (psychisch) schwächer als andere zu sein, dann habe ich Angst vor anderen und werde zu Misstrauen neigen.


Wenn mir jemand ein "zu hohes" Selbstbewusstsein andichtet, empfinde ich es als Kompliment oder kritisiert er mich damit?
Es gibt einige Studien von Verhaltensforschern, Julian Rotter, von der Universität in Connecticut hat Untersuchungen mit eher misstrauischen und eher vertrauensvollen Menschen durchgeführt und dabei auch die Argumente der "Misstrauischen" gegenüber den "Vertrauensvollen" überprüft. Er fand weder fundierte Belege für die Vorurteile, dass vertrauensvolle Menschen grundsätzlich dümmer und leichtgläubiger sind als misstrauische, noch dafür, dass vertrauensvolle Menschen häufiger übers Ohr gehauen werden.
Genau im Gegenteil er fand viele Anhaltspunkte dafür, dass demjenigen, der anderen vertraut, auch Vertrauen entgegengebracht wird oder umgekehrt: Wer anderen misstraut, wird auch häufiger enttäuscht bzw. sieht sich darin bestätigt, dass sein Misstrauen berechtigt war.


In der Psychologie nennt man das
selbsterfüllende Prophezeiung.


Die "selbsterfüllende Prophezeiung" ist ein zweischneidiges Schwert, wie schon der Vater von Odipus erfahren musste. Wenn wir bewusst oder unbewusst der Meinung sind etwas wird oder gar muss eintreffen (bzw. nicht eintreffen wird). Werden wir unbewusst alles in unserer Macht stehende tun, um genau dieses zu erreichen, unabhängig davon ob wir es uns wünschen oder nicht.
Wenn mir jemand kühl und reserviert begegnet, wie verhalte ich mich dann? Gehe ich freudestrahlend auf denjenigen zu? Eher Nein. Ich denke, die meisten werden ebenfalls abweisend und zurückhaltend reagieren.


Unsere Erwartungen und Überzeugungen beeinflussen unser Verhalten - auch wenn uns das nicht bewusst sein mag - und andere Menschen reagieren darauf entsprechend.
Das kleine Mauerblümchen in grauen und langweiligen Schlabberlook wird sich nie den Gang in einen Schönheitssalon gönnen, um zu erfahren, dass es gar kein hässliches Entlein ist. Der "Dicke", der nicht abnimmt, wird ebenso wenig erfahren, dass es nicht oberflächlich ist sich mit einem dünnen Menschen einzulassen... usw...


Ich bin überzeugt, dass selbsterfüllende Prophezeiungen aus Überzeugungen entstehen (welch ein Satz ;-)). Wenn ich mir die Nächte um die Ohren schlage um mir zu erklären, warum andere solche "Pappnasen" sind und man Ihnen deswegen nicht vertrauen kann, anstatt mir auch mal kritisch an die eigene Nase zu fassen, werde ich keinen Schritt weiterkommen.



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